Verstehen – Wollen – Fühlen

Verzeihung als optimale Form des Loslassens von erlittenem Unrecht beschreibt einen Prozess, der im Wesentlichen drei Schritte bzw. Ebenen braucht: Erstens ist die Erkenntnis nötig, dass man auch selbst Fehler macht. Erst dadurch wird man bereit, auch dem Täter falsches Handeln zugestehen zu können. Zweitens muss man vergeben wollen: Man braucht eine Portion Großmut, um tatsächlich in einer gröberen Sache „Schwamm drüber!“ sagen zu können. Erst an dritter Stelle schwingt sich die Emotion auf die Vergebung ein. Also: erstens Verstehen, zweitens Wollen und drittens Fühlen. Zu allen drei Schritten gibt es heute konkrete Forschungsergebnisse.

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Vergebung ist eine sehr effektive Form seine Traumata zu überwinden

Sonntagsblatt: Verletzung – Verbitterung – Vergebung: Warum ist das Thema aktuell?

Bonelli: Grund ist die erhöhte Verletzbarkeit und Kränkbarkeit des heutigen Menschen. Aus dem ständigen Kreisen um das ihm widerfahrene Schicksal kann sich eine manifeste psychische Krankheit entwickeln. Alles Unglück wird auf ein Unrecht in der Vergangenheit zurückgeführt, das nicht mehr änderbar ist, das aktiv in Erinnerung gehalten wird und in dessen Wunden ständig gewühlt wird.

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Die Psychotherapie entdeckt die Vergebung als Heilmittel gegen die Verbitterung

VISION 2000: Welchen Stellenwert hat Vergebung in der Psychotherapie?

Bonelli: Der Psychiater ist sehr häufig mit dem Thema konfrontiert. Allerdings wurde Schuld in der Psychotherapie jahrzehntelang meist nur pathologisiert. Man hat gesagt: Deine Schuldgefühle sind ein Zeichen von Krankheit, von Wahn, Einbildung, von Depression… Daher war man bemüht, dieses Gefühl irgendwie wegzubekommen. Zweifellos gibt es aber auch pathologische Schuldgefühle – etwa beim Skrupel.

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Verbittern oder vergeben?

kath.net: Herr Dozent, wieso ist Verbitterung das nächste Thema Ihrer Tagungsreihe nach den Themen „Schuldgefühl“ und „Liturgie“?

Bonelli: Nun, einerseits kann ich in meiner Praxis sehen, wie weit verbreitet die Verbitterung heute ist. Das Thema ist brandaktuell. Die Diagnose der „posttraumatischen Verbittungsstörung“ wurde erst kürzlich in Berlin wissenschaftlich beschrieben. Der bekannte Autor, Michael Linden, kommt übrigens auch als Referent zu unserer Fachtagung.

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