auserlesen: Selber schuld

Das Interview fand in der Serie „auserlesen – Menschen und Geschichten“ des Hope Channel statt.

 

Der Duft des Anderen

„Es gibt Menschen, die kann man nicht riechen. Wenn das so ist, rate ich dringend von einer Beziehung ab. Wir wissen, dass der Mensch Phenole ausstößt, die einen charakteristischen, durchdringenden Duft haben. Der passt oder passt eben nicht“, so Raphael Bonelli, Buchautor, Neurowissenschaftler, Psychiater und Psychotherapeut aus Wien. Die Duftnote des anderen ist nur eins der „Geheimnisse“, die bei Paaren die Basis einer glücklichen Beziehung bilden können.

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Einfach ein schlechter Politiker

Dieser John D. Gartner sagt sprichwörtlich, dass Trump „auf gefährliche Weise mental krank ist“ und an „malignem Narzissmus“ leidet.

Da ist Gartner unseriös. Der amerikanische „Psychiater-Papst“ Allen Frances, der immerhin die Narzissmus-Kriterien aufgestellt hat, widerspricht dem vehement. Auf sein Verhalten treffen von außen betrachtet schon sehr viele narzisstische Kriterien zu: Offensichtlich hat Trump ein sehr, sehr hohes Selbstwertgefühl, er präsentiert sich selber als einer, der ganz toll ist, für Kritik jeglicher Art ist er nicht empfänglich. Er steht für sich selbst im Mittelpunkt.

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Das gefährliche Kreisen um sich selbst

Es heißt ja im Evangelium „Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein“. (Mk 10, 43)
Das Evangelium steht damit total im Einklang. Weil der Mensch nicht  glücklich werden kann, wenn er um sich selbst kreist, sondern, wenn er aus sich heraus geht in einer dienenden Funktion. Weil das dem Menschen gemäß ist, verkündet das auch die Religion. Aber es ist nicht etwas genuin  religiöses. Der weltbekannte Psychiater Viktor Frankl hat beispielsweise über den Dienst an einer guten Sache gesprochen. Kinder werden heute zu schnell in den Himmel gehoben, ihnen wird eine Lehrtätigkeit und Wichtigkeit hingeschoben, die eine Überforderung der Kinder ist.

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Der Reiz des Anderen

Was der Wiener Arzt aber aufgrund der zahllosen Gespräche und Therapien weiß: „Der große Irrtum unserer Zeit ist die Überschätzung des Bauchgefühls. Es fühlt sich sensationell an. Man lässt aber das Gefühl nicht sacken und konsultiert Herz und Kopf, ob die Richtung auch stimmt.“ Sollte man aber, denn Liebe und Lust zündeln zuerst im Bauch – das ist die Emotion, dieses Prickeln, Ziehen, das Unwiderstehliche. Aber der Bauch ist nicht unfehlbar. „Man kann sich in den Falschen verlieben und trotzdem fühlt es sich toll an.“ Der Kopf, dort, wo die Vernunft ihre Stimme erheben sollte, tut sich in solchen  besinnungslosen Phasen zugegebenermaßen schwer. Und das Herz, das letztendlich die Entscheidung trifft, kommt erst ganz zum Schluss zum Zug.

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Anerkennung von etwas Höherem

Die Impulse wurden in der Reihe „Gedanken für den Tag“ des Österreichischen Rundfunks ausgestrahlt.

Unsere heimliche Kapelle

Die Impulse wurden in der Reihe „Gedanken für den Tag“ des Österreichischen Rundfunks ausgestrahlt.

Was der Psyche gut tut

Die Impulse wurden in der Reihe „Gedanken für den Tag“ des Österreichischen Rundfunks ausgestrahlt.

Spricht aus christlicher Sicht etwas gegen Psychotherapie?

Aus christlicher Sicht spricht natürlich nichts gegen die fachgerechte medizinische Versorgung mithilfe der wissenschaftlichen Erkenntnisse, die einer konkreten Zeit zur Verfügung stehen. Das gilt für alle Krankheiten, sowohl für die körperlichen als auch für die psychischen – die übrigens in der Zwischenzeit nicht mehr „Krankheiten“, sondern lieber „Störungen“ genannt  werden. Für die psychischen Störungen stehen zwei wesentliche Therapiegruppen zur Verfügung: Pharmakotherapie und Psychotherapie. Beide Therapieformen sind aus christlicher Sicht gut und hilfreich. Auch religiöse Menschen sind nicht hundertprozentig vor psychischen Problemen geschützt.

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Mehr als Ich

Die Impulse wurden in der Reihe „Gedanken für den Tag“ des Österreichischen Rundfunks ausgestrahlt.

Über die Selbsttranszendenz

Die Impulse wurden in der Reihe „Gedanken für den Tag“ des Österreichischen Rundfunks ausgestrahlt.

Von Menschen, die keinen anderen Gott neben sich dulden

Letztlich beschrieb Bonelli den Narzissten als unfreie Persönlichkeit, denn drei Dimensionen würden den Menschen erst frei machen: seine innere Ordnung, seine Kooperationsfähigkeit und sein Vermögen zur Selbsttranszendenz. Der Narzisst jedoch verfange sich in der Selbstidealisierung, interessiere sich nicht für Beziehungen auf Augenhöhe und verbleibe in der Selbstimmanenz. „Das Heiligste, das der Narzisst kennt, ist er selbst.“ Er sei stark eingenommen von Phantasien eigener Macht, eigenen Erfolgs, eigener Brillanz, Schönheit und idealer Liebe. Er glaube, einzigartig zu sein und nur von besonderen Menschen verstanden zu werden. In zwischenmenschlichen Beziehungen sei er ausbeuterisch und manipulativ, auch neidisch und arrogant. Bonelli zitierte den britischen Psychoanalytiker Ernest Alfred Jones, der vom „Gotteskomplex“ sprach und meinte, der Narzisst sei vom Wesen her Atheist, weil er „keinen anderen Gott neben sich“ dulde.

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Die eigenen Fehler entdecken lernen

Es geht also [bei der Vergebung] zunächst um einen Willensakt. Wie übt man einen solchen ein?
Es gibt in diesem Zusammenhang eine Studie, die mir wichtig erscheint. Sie geht der Frage nach, wer sich leicht bzw. wer sich schwer mit dem Verzeihen tut. Das Ergebnis: Am leichtesten tun sich jene, die eigene Fehler erkennen können. Je mehr ein Mensch erkennt, dass er selbst fehlerhaft ist, umso eher kann er anderen einen Fehler zugestehen und deshalb verzeihen. Menschen, die sagen: „Mir wäre das nie passiert!“ und sich über den anderen empören – insbesondere Perfektionisten und Narzissten – tun sich ganz schwer mit dem Vergeben. Weiterlesen

Einige Kinder werden massiv traumatisiert

Wenn Volksschulkinder in schulischen Workshops mit diversen Sexualpraktiken konfrontiert werden, was passiert da in der Psyche von Neun- oder Zehnjährigen?
Es kann von Interesse bis Verstörung alles passieren. Das methodische Problem, das ich damit habe, dass Kinder im Volksschulalter mit Sexualität konfrontiert werden, ist, dass alle über einen Kamm geschoren werden. Dadurch werden einige Kinder massiv traumatisiert. Ich arbeite als Psychiater viel mit Opfern von sexuellem Missbrauch: Da ist die Sexualisierung des kindlichen Opfers Teil des Missbrauchsgeschehens. Das Kind wird altersinadäquat mit Sexualität konfrontiert, reagiert verstört und wird so mehr und mehr dem zugeführt, was der Täter später mit dem Kind vorhat. Gruppendynamisch betrachtet reagieren missbrauchsgeschädigte Acht- oder Neunjährige besonders „interessiert“. Das auffällige, ungesunde Interesse ist aber ein Symptom ihrer Traumatisierung. Und diese Pathologie wird in den Klassen dann über die gesunden Kinder drübergestülpt. Langfristige psychische Störungen bis ins Erwachsenenalter können die Folgen sein.

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Die Politik ist die Bühne des Narzissten

Bietet die Politik Narzissten eine besonders gute Bühne?
Der Narzisst benötigt Bewunderung – und zwar exzessiv. Das hält er für gerechtfertigt und die einzig legitime Art, über ihn zu denken. Da ist die Politik natürlich eine unglaublich gute Bühne – aber nicht die einzige. Trump hatte früher seine eigene Talkshow. Viele Schauspieler neigen zum Narzissmus. Aber auch der Fußball bietet eine großartige Bühne. Der Fußballer hat aus psychiatrischer Sicht das Problem, dass er in jungen Jahren eine Fertigkeit besonders gut kann, nämlich ein rundes Leder mit dem Bein in ein Tor zu schießen. Das wird in unserer Gesellschaft überraschenderweise sehr stark honoriert. Da hat es ein 18-Jähriger schwer, das richtig einzuordnen. Es jubeln ihm ja tatsächlich alle zu. David Alaba ist ein Beispiel für Bescheidenheit trotz großen Erfolgs. Wenn aber Ronaldo Sprüche von sich gibt wie „Mein Sohn braucht keine Mutter. Nur mich!“ zeigt das doch eine beträchtliche Abgehobenheit von der Realität.

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Hält der Glaube uns gesund?

Bonelli verweist aber auch ­darauf, dass Glaube nicht nur ­gesund, sondern auch krank ­machen kann: Dann nämlich, wenn die religiöse Praxis nicht aus eigener Überzeugung, sozusagen von innen heraus (intrinsische Religiosität), sondern durch äußeren Druck entsteht (extrinsische Religiosität) – also zum Beispiel aus Angst vor Konse­quenzen oder aus dem Gefühl, sich Liebe verdienen zu müssen. Solche krank machenden Auswirkungen sind allerdings deutlich seltener zu beobachten.

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Männlicher Narzissmus: Das Drama der Liebe, die um sich selbst kreist

Das Interview wurde im Südwestrundfunk (SWR) ausgestrahlt.

Narzissten sind beratungsresistent

Sind Perfektionisten auch Narzissten und umgekehrt?

Nein, Perfektionisten sind Menschen, die denken, dass sie nur liebenswert sind, wenn sie nichts falsch machen. Antriebsfeder eines Perfektionisten ist die Angst. Perfektionisten kreisen angstvoll um sich selbst. Der Narzisst dagegen kreist selbstverliebt um sich. Wird ein Narzisst kritisiert, wertet er den Kritiker ab. Der Perfektionist dagegen ist am Boden zerstört, wenn ihn jemand kritisiert. Der gemeinsame Nenner beider ist, dass sie um sich selbst kreisen – aber eben aus anderen Beweggründen. Und: Narzissten sind beratungsresistent, Perfektionisten auch.

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