Narzissmus: Der Mann, der nur sich selbst liebt

Interview auf der Webseite www.wissenschaft.de

Humor in dieser, Freude in der kommenden Welt

Der Wiener Psychiater, Neurologe, Bestsellerautor und RPP-Gründer Raphael Bonelli sieht Humor als Begabung des Menschen, mit heiterer Gelassenheit zu reagieren. Wenn eine gute Beziehung zwischen Therapeut und Patient bestehe, sei Humor in der Psychotherapie eine „extrem effiziente und angenehme Art zu kommunizieren“, meinte Bonelli. Das gemeinsame Lachen ermögliche Begegnung auf Augenhöhe. Der „Humor des Herzens“ sei die innere Haltung, über sich selbst lachen zu können und dann anderen Gutes zu wollen, also „den inneren Narzissten zurück zu stellen“. Im guten Humor wachse der Mensch also über sich hinaus. Bonelli markierte aber auch Grenzen des Humoristischen: „Das Heilige ist nicht lustig. Vor dem Heiligen braucht man Respekt, Ehrfurcht. Fehl am Platz ist der Pfarrer, der während der heiligen Handlung Witze erzählt.“ Bonelli nannte dies „angebrachte Humorlosigkeit“. Unangebrachte Humorlosigkeit sei im Gegensatz dazu, „dass man etwas für heilig hält, was nicht heilig ist“. Der Depressive oder der angsthaft um sich selbst kreisende Perfektionist könne nicht lachen, der Narzisst nur auf Kosten anderer.

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Erschreckende Entwicklung: Der krankhafte Narzissmus steigt bei Kindern und Jugendlichen unaufhaltsam an

Der krankhafte wie der grenzwertige Narzissmus steigt bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen seit den Achtzigerjahren unaufhaltsam an, insbesondere in der westlichen Welt.

In der bedeutendsten Studie von Jean Twenge, Psychologieprofessorin an der San Diego State University, die mit ihrem Team von 1979 bis 2006 etwa 17 000 Studenten beobachtet und befragt haben, kann man klar feststellen, dass es über die Jahre am Narcissistic Personality Inventory (siehe Anhang) zu einem regelrechten Hinaufschnellen der Narzissmuswerte kam.

Im Jahr 2006 sind zwei Drittel der Studenten über dem Durchschnitt der Jahre 1979 bis 1985 – das ist eine 30-prozentige Zunahme. Der Anstieg der Narzissmuswerte geht einher mit einer ebensolchen Zunahme an Selbstbewusstsein, Durchsetzungskraft, Selbstwertgefühl und Extraversion.

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Selbstverliebte Politiker: Ist Trump ein Narzisst?

Donald Trump sagt: „Ich bin der einzige, der unsere Probleme lösen kann.“ Muss man Narzisst sein, um so etwas zu sagen?

Man muss natürlich berücksichtigen, dass viele Wähler in den USA gern vollmundige Äußerungen hören. Donald Trump hat mit seiner unverschämten Selbstverliebtheit Erfolg – sonst wäre er ja nicht Präsidentschaftskandidat der Republikaner geworden. Muhammad Ali hat sich in den USA als „der Größte“ bezeichnet und die Leute haben ihn dafür geliebt. Ob das bei Trump eine Masche ist oder ob es tief in ihm steckt, kann man von außen nicht sagen. Er riskiert jedenfalls sehr viel, wenn er sich so präsentiert. Denn narzisstische Symptome ziehen viele Leute an, aber sie stoßen auch viele ab. Narzissmus polarisiert. Ein Narzisst hat starke Fans und starke Gegner.

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Das große Ich bin Ich

Ein berühmtes Kinderbuch heißt „Das kleine Ich bin Ich“. Könnte man sagen, der Narzisst
ist das große Ich bin Ich?

Der Narzisst kreist um sich selbst und liebt sich selbst mit einer exklusiven Liebe, mit der man eigentlich nur einen anderen Menschen lieben kann. Sigmund Freud sagt, der Narzisst nimmt seine Libido vom Du, vom anderen weg und richtet sie nur auf sich selbst.

Das spürt man, sobald ein solcher Mensch bei der Tür hereinkommt. Ich merke binnen weniger Minuten,wie selbstverliebt manche Männer sich darstellen und wie begeistert sie von allem sind, was sie an Weisheiten in den Raumstellen.

Diese Begeisterung kann im günstigen Fall ansteckend sein. Deshalb haben Narzissten manchmal ein großes Charisma, dem viele nachlaufen. Das würde ich bei Cristiano Ronaldo durchaus so sehen.

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Gelassenheit: Erkennen, was mir guttut

Was tut unserer Psyche denn überhaupt nicht gut?

Zu viel Streben nach Perfektion. Das steckt in uns allen und ist zunächst völlig normal. Wir haben Ideale, Ziele. Wollen uns weiterentwickeln. Doch wenn allmählich die Angst im Vordergrund steht, Fehler zu machen, dann wird’s ungesund. Ein Perfektionist definiert sich zu sehr durch die eigene Leistung. Er will tadellos sein, weil er Angst vor dem Tadel hat. Er kann nicht glauben, dass er – so wie er ist – genügt. Ich sage immer zu meinen Patienten: „Sie sind ja kein Kunstwerk. Das braucht Wertschätzung, sonst ist es nichts wert. Ein Mensch ist immer etwas wert. Immer.“

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Männer, die verliebt um sich selbst kreisen

Zuletzt hat sich der Autor mit dem Perfektionisten beschäftigt. Dass er jetzt das Psychogramm des narzisstischen Mannes zeichnet, ist gewiss kein Zufall, werden doch Perfektionismus und Narzissmus gern miteinander verwechselt. Bonelli arbeitet aber den Unterschied klar heraus: Der Perfektionist kreist angstvoll um sich selbst, der Narzisst kreist verliebt um sich selbst. Und das dauerhaft: „Eigenliebe ist der Beginn einer lebenslangen Romanze“, sagte Narzisst Oscar Wilde.

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Tischgespräch mit Psychotherapeut Raphael M. Bonelli

Beitrag in der Sendung Tischgespräche des Westdeutschen Rundfunks

Das Ende des Selbstbetrugs

Immer wieder kommen Patienten in die Therapiestunden und sagen gleich nach der Begrüßung, kaum dass sie die Couch auch nur berühren: „Also, Herr Doktor, zuerst muss ich etwas beichten: Ich habe letzte Woche…“. Meist „beichten“ sie dann gebrochene Vorsätze, die sie in der vergangenen Therapiestunde gefasst hatten: der Student, der eigentlich in der Früh aufstehen wollte, die Übergewichtige oder der Kaufsüchtige, die rückfällig wurden. Ja, ein überzeugt atheistischer Pornosüchtiger „beichtete“ mir kürzlich sogar, dass er seit der letzten Therapiestunde „gesündigt“ (sic!) habe. Auf meinen fragenden Blick antwortete er mit einem charmanten Schmunzeln, dass eben auch Atheisten sündigen können.

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