Dem Sex im Netz verfallen

Männer können süchtig werden nach Pornos aus dem Netz. Zwei Prozent aller Konsumenten solcher Inhalte sind davon betroffen. Das klingt nach wenig, ist es aber nicht. Experten beziffern die Zahl der Internet-Sexsüchtigen in Deutschland mit 400.000 Personen; in Österreich dürfte es ein Zehntel davon sein, immer noch 40.000 an der Zahl. „Fast jede Woche kommt ein Patient zu mir, der sich befreien möchte vom Zwang, sich ständig Sexfilme anzusehen“, berichtet Bonelli aus seiner Praxis. Ein Muster für besonders anfällige Männer erkennt er nicht. „Es kann jeden erwischen, ganz unabhängig davon, wie sein gesellschaftlicher Hintergrund aussieht.“

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Die Macht der Kränkungen

2003 wurde das psychiatrische Diagnose-Handbuch erstmals mit dem Begriff „posttraumatische Verbitterungsstörung“ bereichert, die, so der Wiener Psychotherapeut Raphael Bonelli, nach Kränkungen wie einer zu Unrecht empfundenen Kündigung, falschen Beschuldigungen, Mobbing und Beziehungstrennungen entstehen kann. Das Wesen dieser Störung, die sich in Depressionen, sozialer Isolation bis hin zum Selbstmord manifestieren kann, zeige sich in der Unfähigkeit des Betroffenen, „eigene Schuldanteile zu erkennen und zu verzeihen“. Bonelli: „Solche Menschen sehen nur das Unrecht, das ihnen widerfahren ist, sie sind grundbeleidigt und entwickeln eine generelle Bockigkeit dem Leben gegenüber.“ Die größten Risikogruppen für eine solche Störung wären Narzissten und Perfektionisten, die sich selbst nur Lebensberechtigung im Job attestieren und von Lob und Applaus überdimensional abhängig sind.

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Ideale Ergänzung

Bonelli drückt es ironisch so aus: «Sie hat die Wahrnehmung, kann sie aber nicht immer deuten. Er hat die Wahrnehmung nicht, könnte sie aber deuten.» Männer könnten vom «emotionalen Coaching» der Frauen viel profitieren. Derzeit schreibt Bonelli an einem Buch über männliche Narzissten. Diese verachteten Frauen – und könnten deshalb auch nicht auf diese weiblichen Ressourcen zurückgreifen. Umgekehrt stünden Frauen auf die Systematisierungsfähigkeiten des männlichen Geistes: «Frauen wollen geordnet werden.» Das habe Sex-Appeal. Verwische man diese Unterschiede, negiere man auch die ­Qualitäten der Geschlechter.

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Du bist schuld!

Linzer Kirchenzeitung: Warum fällt es Menschen generell so schwer zu sagen: „Ich bin schuld“ bzw. „Ich habe Schuld“?

Raphael M. Bonelli: Das Schuldgefühl ist an und für sich unangenehm. Wir hätten es lieber nicht und wollen es nach Möglichkeit wegschieben. Ähnlich wie der Schmerz hat es aber eine gute Funktion. Tut das Knie weh, lassen wir es behandeln und der Schmerz ist weg. Haben wir ein Schuldgefühl, sollten wir uns ebenso damit beschäftigen. Vielleicht gibt es einen Schaden, den man wieder gutmachen kann. Oder man bittet eine Person um Entschuldigung. Oft wäre die Sache damit erledigt und die Last wäre weg.

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„Perfektionisten-Bändiger“

Beitrag in der Sendung Doppelkopf des Hessischen Rundfunks

Hochmut

Livesendung über Grenzfragen zwischen Psychiatrie und Spiritualität auf Radio Maria

Wiener Psychiater Bonelli rät Synode zu ‚klaren Idealen‘

Kathpress: Was raten Sie als Psychiater der Familiensynode?

Raphael M. Bonelli: Die Religion hat die Aufgabe, der Gesellschaft einen Kontrapunkt zu setzen, sonst schafft sie sich selbst ab. Sie darf nicht passiv mit dem Strom schwimmen – das tun nur die toten Fische. Sie hat eine Botschaft für die Menschen. Die menschliche Psyche braucht Orientierungspunkte, denn nur hohe – bis jetzt noch nicht erreichte – Ideale ermöglichen persönliche menschliche Entwicklung. Es ist ganz normal, dass sich die Menschen mitunter daran reiben.

Deswegen sollte die Religion ein Ideal vorstellen, nach dem man sich ausrichten kann. Auch wenn das unbequem und unpopulär ist. Davor sollten die Synodenväter keine Angst haben, auch nicht vor medialer Schelte. Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Sie blockiert und verunmöglicht die Identitätsfindung.

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Der ideale Ort der Menschwerdung des Menschen

RPP-Gründer Raphael Bonelli beschrieb aus seiner psychotherapeutischen Praxis Familie als Trauma-Ursache und als Trauma-Schutz. Neurose könne als Denkstruktur in ganzen Familien erlernt werden. Eltern litten vielfach an schweren Schuldgefühlen, und seien von Psychologen oft auch für die Tragödien ihrer Kinder verantwortlich gemacht worden. Demgegenüber werde Familie in der neueren Forschung, etwa bei Martin Seligman, als Ressource entdeckt. In der Familie lerne das Kind Empathie, Tugenden, kritisches Feedback, ungeschuldete Liebe. Je mehr jemand in einer Familie eingebunden ist, desto weniger suizidgefährdet sei er. Raphael Bonelli schilderte aber auch die Ursachen dysfunktionaler Familien: das ich-hafte Kreisen um sich selbst, die Zunahme von Angststörungen aufgrund schwächer werdender Bindungen, die falschen Grundannahmen in den Beziehungen zwischen den Mitgliedern einer Familie.

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