Verzichten, um zu gewinnen

Bonelli, der das RPP-Institut 2007 als Plattform des interdisziplinären Austauschs zwischen der Welt des Glaubens und der Theologie einerseits und den Psycho-Wissenschaften auf der anderen Seite gegründet hat, riet zur Vorsicht bei der Pathologisierung von asketischen Formen und Fehlformen. Die Selbstkasteiung als freiwillige Entbehrung um eines höheren Gutes willen gebe es nicht nur im Christentum, sondern auch etwa im Buddhismus. Die Grenze zur psychopathologisch krankhaften Askese zeigte Bonelli mit Bildern von Extremformen der Nahrungsaskese, der autodestruktiven Gewalt und der Selbstbeschädigung. Sein Fazit: „Es gibt ein Zuviel an Askese, aber das Hauptproblem unserer Zeit ist ein Zuwenig an Askese.“ Die Folge dieses „Zuwenig“ sei der Kontrollverlust, etwa im Kaufzwang oder in der Internetsucht. Um das Leben in den Griff zu bekommen, brauche es das richtige Maß.

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Was wir tun können

Der Sonntag: Was meint Askese im eigentlichen Sinn?

Bonelli: Askese bezeichnet seit der griechischen Antike eine Übungspraxis im Rahmen von Selbstschulung aus verschiedenster Motivation. Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das durch Bemühung mehr er selbst werden kann – und durch Sich-Gehen-Lassen sich selbst immer mehr verliert. Den psychologischen Hintergrund dieses Phänomens nennt man die „Fähigkeit zur Selbstprägung“: nicht nur die Gene und die Umgebung prägen eine Persönlichkeit, auch der Mensch selbst hat die Freiheit, sich selbst zu verändern, an sich zu arbeiten. Das nennt man Charakterbildung.

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Askese – mühsam, aber sinnvoll

Askese – klingt ab­schreckend, nach  zwanghafter Verordnung unsinniger Entbehrungen. Im Folgenden zeigt der Autor, dass eine aske­tische Haltung wesentlich für die persönliche Entfaltung ist, damit der Mensch nicht primär triebgesteuert agiert.

Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das durch Bemühung mehr es selbst werden kann – und durch Sich-Gehen-Lassen sich selbst immer mehr verliert. Den psychologischen Hintergrund dieses Phänomens nennt man die „Fähigkeit zur Selbstprägung“: Nicht nur die Umgebung prägt eine Persönlichkeit, auch der Mensch selbst hat die Freiheit, sich selbst zu verändern, an sich zu arbeiten. Das nennt man Charakterbildung.

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