Männlicher Narzissmus: „Wir leben in einer Zeit der Selbsterhöhung“

Der Vorgesetzte oder ein cholerischer Kollege werden heutzutage schnell als „Narzisst“ abgestempelt. Wird dieser Begriff inflationär gebraucht?

Ja, da haben Sie recht. Ich habe deswegen einen Fall ins Buch aufgenommen, in dem eine Frau von ihrem furchtbar narzisstischen Mann berichtet, der sich dann schnell als Choleriker herausstellt. Er entschuldigt sich nach dem Anfall ganz zerknirscht.

„Narzissmus“ wird oft benutzt, um den anderen schlecht zu machen. In der Paartherapie empfehle ich den Ehepaaren zuallererst, ohne gegenseitige Diagnosen auszukommen, weil man so dem anderen viel besser zuhören kann.

Die erwähnen auch die „Generation Ego“. Leben wir in einer Zeit der allgemeinen Selbstüberhöhung und welche Rolle spielen soziale Medien in diesem Kontext?

Wir leben ganz sicher in einer Zeit der Selbsterhöhung und auch des Anspruchsdenkens – auch ein Merkmal des Narzissmus. Die sozialen Medien tragen dazu bei, weil sie dem Narzissten eine Bühne geben. Es gibt amüsante Studien: wenn jemand mehr als 500 Facebook-„ Freunde“ hat, besteht die Gefahr, dass er eine narzisstische Störung bekommt. In Wirklichkeit kann ja niemand wirklich 500 echte Freunde haben.

Das ganze Interview kann in Bild der Frau nachgelesen werden.