Perfektionismus: An den eigenen Erwartungen zerbrechen

Wie entsteht Perfektionismus überhaupt? Bonelli sieht drei große Faktoren: die genetische Disposition – etwa die Hälfte der Neigung zur Entwicklung von Ängsten werde vererbt, heißt es im Buch. Erziehung und kindliche Erfahrungen: Schlechte Erinnerungen sitzen tief und prägen das Denken oftmals unbewusst das ganze Leben lang. Und nicht zuletzt der eigene Zugang: Wie stehe ich dazu? Bewahre ich eine gewisse Distanz zu meinen Gedanken, oder lasse ich mich von der Angst treiben? Gebe ich Fehler zu, auch wenn mir das schwer fällt?

Ausführlich widmet sich Bonelli den herrschenden Körperidealen, die das Problem in den vergangenen Jahren massiv verschärft hätten. In seinem Buch zitiert er aktuelle Umfragen, denen zufolge nur jede fünfzehnte junge Frau mit ihrem Gewicht zufrieden ist und ausnahmslos alle gern fünf Kilo weniger wiegen würden.

 

Was sich bei (jungen) Frauen vor allem in Form von Anorexie, also krankhafter Magersucht, äußert, ist bei Burschen und Männern die in den 1990er erstmals beschriebene Muskelsucht, oft auch als Adonis-Komplex bezeichnet. Hinter exzessivem Körpertraining steckt häufig das Dogma, dass sich Männlichkeit vor allem an der Muskulatur bemisst.

 

„Das in unseren Breiten vorherrschende Schlankheitsideal schreibt in der Zwischenzeit ein Gewicht vor, das unter dem biologisch vorgegebenen Normgewicht der normalen Frau liegt. Das ist seltsam. Noch seltsamer ist, dass es keiner mehr seltsam findet“, bilanziert Bonelli. Solange es ganz selbstverständlich als Kompliment gelte, jemanden für einen Gewichtsverlust zu loben, so lange würden auch Essstörungen weiterhin Thema in der Gesellschaft sein.

Der gesamte Artikel kann in der österreichischen Tageszeitung Der Standard nachgelesen werden.