Von Menschen, die keinen anderen Gott neben sich dulden

Letztlich beschrieb Bonelli den Narzissten als unfreie Persönlichkeit, denn drei Dimensionen würden den Menschen erst frei machen: seine innere Ordnung, seine Kooperationsfähigkeit und sein Vermögen zur Selbsttranszendenz. Der Narzisst jedoch verfange sich in der Selbstidealisierung, interessiere sich nicht für Beziehungen auf Augenhöhe und verbleibe in der Selbstimmanenz. „Das Heiligste, das der Narzisst kennt, ist er selbst.“ Er sei stark eingenommen von Phantasien eigener Macht, eigenen Erfolgs, eigener Brillanz, Schönheit und idealer Liebe. Er glaube, einzigartig zu sein und nur von besonderen Menschen verstanden zu werden. In zwischenmenschlichen Beziehungen sei er ausbeuterisch und manipulativ, auch neidisch und arrogant. Bonelli zitierte den britischen Psychoanalytiker Ernest Alfred Jones, der vom „Gotteskomplex“ sprach und meinte, der Narzisst sei vom Wesen her Atheist, weil er „keinen anderen Gott neben sich“ dulde.

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Die eigenen Fehler entdecken lernen

Es geht also [bei der Vergebung] zunächst um einen Willensakt. Wie übt man einen solchen ein?
Es gibt in diesem Zusammenhang eine Studie, die mir wichtig erscheint. Sie geht der Frage nach, wer sich leicht bzw. wer sich schwer mit dem Verzeihen tut. Das Ergebnis: Am leichtesten tun sich jene, die eigene Fehler erkennen können. Je mehr ein Mensch erkennt, dass er selbst fehlerhaft ist, umso eher kann er anderen einen Fehler zugestehen und deshalb verzeihen. Menschen, die sagen: „Mir wäre das nie passiert!“ und sich über den anderen empören – insbesondere Perfektionisten und Narzissten – tun sich ganz schwer mit dem Vergeben. Weiterlesen