Total verknallt in sich selbst

Was den Mann zum Narzissten macht, bleibt umstritten. Eines ist für Bonelli aber klar: „Es ist keine genetische Erbkrankheit, sondern großteils erworben.“ Und damit wagt sich der Autor auf gefährliches Terrain. Er legt dar, wie schon aus Kleinkindern heutzutage Majestäten gemacht werden, behandelt wie kleine Erwachsene, grenzenlos überhöht in ihrer Bedeutung, überhäuft mit Lob bei jeder Gelegenheit. Das steigert in den jungen Menschen das Gefühl, jemand ganz Besonderer zu sein – ein idealer Nährboden für angehende Narzissten. „Die Überbewertung beginnt bei der Geburt des Kindes“, stellt Bonelli trocken fest. „Den Kindern werden immer ausgefallenere und auffälligere Namen gegeben.“ Aus der Masse hervorstechen von Anfang an.

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Narzissmus: Der Mann, der nur sich selbst liebt

Interview auf der Webseite www.wissenschaft.de

Humor in dieser, Freude in der kommenden Welt

Der Wiener Psychiater, Neurologe, Bestsellerautor und RPP-Gründer Raphael Bonelli sieht Humor als Begabung des Menschen, mit heiterer Gelassenheit zu reagieren. Wenn eine gute Beziehung zwischen Therapeut und Patient bestehe, sei Humor in der Psychotherapie eine „extrem effiziente und angenehme Art zu kommunizieren“, meinte Bonelli. Das gemeinsame Lachen ermögliche Begegnung auf Augenhöhe. Der „Humor des Herzens“ sei die innere Haltung, über sich selbst lachen zu können und dann anderen Gutes zu wollen, also „den inneren Narzissten zurück zu stellen“. Im guten Humor wachse der Mensch also über sich hinaus. Bonelli markierte aber auch Grenzen des Humoristischen: „Das Heilige ist nicht lustig. Vor dem Heiligen braucht man Respekt, Ehrfurcht. Fehl am Platz ist der Pfarrer, der während der heiligen Handlung Witze erzählt.“ Bonelli nannte dies „angebrachte Humorlosigkeit“. Unangebrachte Humorlosigkeit sei im Gegensatz dazu, „dass man etwas für heilig hält, was nicht heilig ist“. Der Depressive oder der angsthaft um sich selbst kreisende Perfektionist könne nicht lachen, der Narzisst nur auf Kosten anderer.

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