Wiener Psychiater Bonelli rät Synode zu ‚klaren Idealen‘

Kathpress: Was raten Sie als Psychiater der Familiensynode?

Raphael M. Bonelli: Die Religion hat die Aufgabe, der Gesellschaft einen Kontrapunkt zu setzen, sonst schafft sie sich selbst ab. Sie darf nicht passiv mit dem Strom schwimmen – das tun nur die toten Fische. Sie hat eine Botschaft für die Menschen. Die menschliche Psyche braucht Orientierungspunkte, denn nur hohe – bis jetzt noch nicht erreichte – Ideale ermöglichen persönliche menschliche Entwicklung. Es ist ganz normal, dass sich die Menschen mitunter daran reiben.

Deswegen sollte die Religion ein Ideal vorstellen, nach dem man sich ausrichten kann. Auch wenn das unbequem und unpopulär ist. Davor sollten die Synodenväter keine Angst haben, auch nicht vor medialer Schelte. Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Sie blockiert und verunmöglicht die Identitätsfindung.

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Der ideale Ort der Menschwerdung des Menschen

RPP-Gründer Raphael Bonelli beschrieb aus seiner psychotherapeutischen Praxis Familie als Trauma-Ursache und als Trauma-Schutz. Neurose könne als Denkstruktur in ganzen Familien erlernt werden. Eltern litten vielfach an schweren Schuldgefühlen, und seien von Psychologen oft auch für die Tragödien ihrer Kinder verantwortlich gemacht worden. Demgegenüber werde Familie in der neueren Forschung, etwa bei Martin Seligman, als Ressource entdeckt. In der Familie lerne das Kind Empathie, Tugenden, kritisches Feedback, ungeschuldete Liebe. Je mehr jemand in einer Familie eingebunden ist, desto weniger suizidgefährdet sei er. Raphael Bonelli schilderte aber auch die Ursachen dysfunktionaler Familien: das ich-hafte Kreisen um sich selbst, die Zunahme von Angststörungen aufgrund schwächer werdender Bindungen, die falschen Grundannahmen in den Beziehungen zwischen den Mitgliedern einer Familie.

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Charakterbildung

Livesendung über Grenzfragen zwischen Psychiatrie und Spiritualität auf Radio Maria