Weihnachten ist für Perfektionisten gefährlich: So werden Sie lockerer

Augsburger Allgemeine: Bin ich denn schon ein Perfektionist, wenn ich etwas besonders gut machen will, zum Beispiel den perfekten Weihnachtsbraten?

Nein, es gibt auch ein normales, gesundes Perfektionsstreben, und dagegen ist gar nichts einzuwenden. Wer sich selbst keine hohen Ziele setzt, verkommt zum Spießer und bleibt im Mittelmaß. Die Spanne zwischen dem SOLL, das hoch gesteckt ist, und dem IST, das darunter liegt, macht ein Wachstum des Menschen möglich. Es ist auch falsch, was viele herkömmliche Ratgeber empfehlen: Dass 80 Prozent Leistung reichen und man keine 100 Prozent geben muss. Wenn wir unser Auto zum Mechaniker geben oder wegen einer Krebserkrankung den Onkologen aufsuchen, erwarten wir schon 100 Prozent! Wir bewundern es auch, wenn Menschen etwas wirklich gut können. Michelangelo zum Beispiel hat seinen David perfekt gemacht. Es ist keine Lösung zu sagen, man macht alles nur noch halb oder dreiviertel so gut.

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Wenn es immer ganz genau passen muss

Der Neurowissenschafter an der Sigmund Freud-Privatuniversität in Wien sieht in der Tiefe einer solchen perfektionistischen Seele „immer die Angst“. Diese könne sich in zwei Gesichtern zeigen: in der Ichhaftigkeit oder im Zwang. Beide seien eng miteinander verwandt. „Die Ichhaftigkeit ist eine übertriebene Angst um sich selbst, der Zwang ist die Folge einer Angst, ein Ritual, das die Angst bannen soll, aber nicht kann.“

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Wenn die Latte zu hoch liegt

Tiroler Tageszeitung: Was ist schlecht daran, nach dem Perfekten zu streben?

Raphael M. Bonelli: Eigentlich überhaupt nichts. Das Perfektionismusstreben ist im Menschen drinnen. Wir wollen immer besser werden und das ist völlig normal. Aber es gibt eine gesunde Art und eine ungesunde, neurotische Art.

Was ist der Unterschied?

Bonelli: Während beim gesunden Menschen die Perfektion im Vordergrund steht, ist es beim Neurotiker die Angst, Fehler zu machen. Perfektion wird von ihm nur vorgeschoben. Es geht ihm um die Außenwirkung. Er definiert sich zu sehr durch die eigene Leistung. Er will etwas Tadelloses leisten, weil er Angst vor dem Tadel hat.

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Sich das Leben unnötig schwer machen

Livesendung über Grenzfragen zwischen Psychiatrie und Spiritualität auf Radio Maria