Wenn der Mensch wie eine Zitrone ausgepresst wird

Der Gründer des RPP-Instituts, der Wiener Psychiater und Psychotherapeut Raphael M. Bonelli, definierte als Aufgabe der Psychotherapie, „zu helfen, dass eine Unordnung wieder in Ordnung kommt“. Multitasking könne eine Kompetenz sein oder auch ein Problem, je nachdem, ob da Ordnung ist oder nicht: „Ungeordnet ist sie Aktionismus; geordnet ist sie eine Kompetenz, mehreren Verpflichtungen gleichzeitig nachzukommen.“ Die Angst beim (ungeordneten) Multitasking bestehe darin, nicht dabei zu sein, etwas zu verpassen oder die Kontrolle zu verlieren. Der Ichhafte brauche die Bestätigung von außen, verliere leicht den Überblick, habe Angst um sich selbst. Neben dem ich-haften gebe es aber auch ein sachliches Multitasking, das eine Werte-Hierarchie einführe und Prioritäten setze: „Der geordnete Mensch kann loslassen.“ Kontemplation sei in diesem Kontext Psychohygiene und helfe, „die Dinge zu sehen, wie sie sind“.

Weiterlesen

Raus aus der Perfektionismusfalle

Unter anderem am Fall einer selbsternannten Karrierefrau legt Bonelli in mehreren, sorgfältig erläuterten Schritten offen, wie schwer es ist, sich selbst einzugestehen, in der Perfektionismusfalle zu sitzen, und wie mühsam es ist, den Weg heraus aus dem Perfektionismuswahn zu finden: wie viele innere Widerstände dabei zu überwinden sind, welche Brüche selbstgesetzter Tabus dabei zu vollziehen sind – und wie unendlich befreiend es ist, sich schlussendlich den Weg in die geistig-seelische Freiheit freigekämpft zu haben. In dieser von äußerer Ungewissheit geprägten Zeit und der sich darob schnell einschleichenden inneren Unsicherheit ist gerade diese geistig-seelische Freiheit und die erst durch sie ermöglichte Erkenntnis, dass es das Absolute, das ausschließlich Richtige und Wahre nicht gibt, der einzig zuverlässige Schutz davor, nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren und an der unvollkommenen Welt irre zu werden.

Weiterlesen

Wenn Ideale zu Imperativen werden

Anders als der souverän nach Vollkommenheit Strebende, der sich der eigenen Unzulänglichkeit doch bewusst ist, sei der Perfektionist „von einer irrationalen Angst vor Ablehnung begleitet“, meist ein unsicherer Mensch voller Sehnsucht nach Unangreifbarkeit. Perfektion sei ihm nur Mittel zum Zweck: „Eine Fassade, die er aufrichtet, eine Maske, hinter der er sich versteckt“, letztlich also ein Weg der Lebenslü- ge. Zur Immunisierung dagegen empfiehlt der Wiener Psychiater, was er selbst „Imperfektionstoleranz“ nennt, „die Selbstannahme im Bewusstsein der eigenen Fehlerhaftigkeit, Mittelmäßigkeit und Gewöhnlichkeit“, sowie eine realistische Selbsteinschätzung und gesunde Zielvorgaben. Erst so entfalte sich die innere Freiheit der Person.

Weiterlesen

Perfektionismus: An den eigenen Erwartungen zerbrechen

Wie entsteht Perfektionismus überhaupt? Bonelli sieht drei große Faktoren: die genetische Disposition – etwa die Hälfte der Neigung zur Entwicklung von Ängsten werde vererbt, heißt es im Buch. Erziehung und kindliche Erfahrungen: Schlechte Erinnerungen sitzen tief und prägen das Denken oftmals unbewusst das ganze Leben lang. Und nicht zuletzt der eigene Zugang: Wie stehe ich dazu? Bewahre ich eine gewisse Distanz zu meinen Gedanken, oder lasse ich mich von der Angst treiben? Gebe ich Fehler zu, auch wenn mir das schwer fällt?

Weiterlesen

Psychiater: Kontemplation ist „Psychohygiene in Reinkultur“

Bericht auf Radio Vatikan

In der Leistungsfalle: Tipps gegen krankhaften Perfektionismus

„Perfektionismus ist modern. Er prägt den Zeitgeist, liegt unseren Wertvorstellungen zugrunde, dominiert unsere Köpfe. Fast niemand kann sich ihm entziehen“, sagt der Wiener Psychiater und systemische Psychotherapeut Raphael M. Bonelli. Auch wenn die Menschen unter dem Zwang leiden, alles richtig machen zu müssen, gilt Perfektionismus als ein „attraktives Laster“, vor allem im Berufsleben: „Diese Schwäche finden wir verzeihlich, wenn nicht sogar ehrenhaft.“

Weiterlesen

Sind Sie krankhaft perfektionistisch?

Perfektionismus ist Bonelli zufolge ein Vermeidungsverhalten. Ein Perfektionist fordert von sich, dass er keine Fehler machen und sich keine Blöße geben darf. Der Perfektionist vergleicht sich gerne mit anderen, zerfleischt sich selbst dabei und möchte eigentlich unangreifbar sein: „Wer perfekt arbeitet, kann weder getadelt noch kann ihm gekündigt werden.“ Tatsächlich seien Betroffene unsichere und zutiefst ängstliche Menschen, und die Perfektion sei eine Maske, hinter der sie sich verstecken könnten.

Weiterlesen

Tod und Trauer

Livesendung über Grenzfragen zwischen Psychiatrie und Spiritualität auf Radio Maria