Gottesfurcht ist „Medikament“ und „Anfang der Weisheit“

Dass Gottesfurcht die Selbsterkenntnis des Menschen als Geschöpf Gottes fördert und damit sogar „Medikament“ ist, erklärte der Tagungsleiter und Neurowissenschaftler Raphael Bonelli, der den Perfektionismus als Quelle vieler Ängste beschrieb. Nicht nur im Körperkult der Essstörungen, in übertriebener „Political Correctness“ oder im Leistungsdenken, sondern auch in der Religion sei Perfektionismus oft anzutreffen. Bonelli: „Der Perfektionist will nicht als Sünder und Bittender vor Gott stehen, will tadellos sein statt der Verzeihung zu bedürfen. Er macht sich selbst zum Ideal und beurteilt andere wie die Pharisäer übermäßig streng.“

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Gottesfurcht als Therapie für die Ängste der Moderne

Der RPP-Gründer Bonelli beschrieb aus seiner psychotherapeutischen Praxis die unbewussten Ängste vor Liebesverlust und Ausgrenzung, in der die eigenen Fehler zur existenziellen Bedrohung werden. Nicht das hohe Ideal sei der Denkfehler des Perfektionisten, denn ein hohes Ideal mache noch nicht an sich neurotisch. Vielmehr verwechsle der Perfektionist das Soll, an dem das Ist wachsen kann, mit einem Muss. Der Perfektionist sei innerlich unfrei, kreise um sich selbst, habe eine falsche Wertehierarchie und einen Horror davor, kritisiert oder in Frage gestellt zu werden. Im Religiösen setze der Perfektionist auf Selbsterlösung: Er wolle tadellos vor Gott stehen, nicht aber als Sünder und Bittender. Perfektionistische Häresien seien die Gnosis und der Pelagianismus, Jansenisten, Katharer und Albigenser. Als Lernziel nannte Bonelli „Imperfektionismustoleranz“, also die Fähigkeit, die eigene Fehlerhaftigkeit und die Differenz zwischen Ist und Soll anzunehmen.

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Religiöses Leben im Alltag

Livesendung über Grenzfragen zwischen Psychiatrie und Spiritualität auf Radio Maria