Gedanken zum Tag

Schuldbewusstsein ist ein kreatives Potenzial: Es für denkbar und möglich zu halten, etwas falsch gemacht zu haben, öffnet neue Handlungshorizonte. Fehlendes Schuldbewusstsein bedeutet nicht etwa das Fehlen von Schuld, sondern die Verdrängung der Schuld aus dem Bewusstsein, die jetzt im Unterbewussten ein Eigenleben führt. Verdrängte Schuld engt den Menschen ein und nimmt ihm Handlungsspielraum.

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Gefangen in der Opferfalle

Nichts ist so intim wie die eigene Schuld. Die Abwehraggression beim Thema der eigenen Schuld ist deutlich spürbar, besonders auffällig natürlich bei Paartherapien, bei denen jeweils „Unschuld“ auf Beschuldigung prallen. Die peinlichen Verrenkungen, um offensichtliche Fehler zu verleugnen, sind bemerkenswert. Wir verdrängen unsere Schuld, weil sie letztlich Schmerz bedeutet. Viele Menschen tun sich heute schwer, die Verantwortung für ihre Taten zu übernehmen und haben sich ein entlastendes Erklärungsmuster von Fremdbeschuldigung und Selbstmitleid zurechtgelegt. Fast jeder sieht sich als Opfer. Dieser Mechanismus ist aber der seelischen Gesundheit nicht förderlich, denn das Opferdasein ist ein psychodynamische Sackgasse, die in der Fachliteratur häufiger als „Opferfalle“ beschrieben wird. Ändern können wir nur ganz selten die anderen, aber immer uns selbst.

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Religiosität in Psychiatrie

Die religiösen und spirituellen Dimensionen sind in der psychiatrischen Forschung der letzten 150 Jahre stark vernachlässigt worden. Im späten 19. Jahrhundert haben Jean Charcot und Sigmund Freud begonnen, Religion mit Hysterie und Neurose zu assoziieren. Damit begann eine Separation des religiösen Erlebens vom psychiatrischen Gesundheitswesen. 1969 resümierte der US-Psychiater Victor D. Sanua, es gebe keine wissenschaftlichen Studien, die zeigen, dass Religion der seelischen Gesundheit zuträglich wäre. Das ist auch der Wissensstand einiger Kollegen.

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Routenplaner für ein stimmiges Leben

Aus seiner psychotherapeutischen Praxis – nicht nur, aber ganz besonders aus der Paartherapie – weiß der Wissenschaftler, dass nichts so intim ist wie die eigene
Schuld, dass der Mensch heute darauf getrimmt ist, sich selbst als Opfer zu sehen, und dass viele Therapeuten Schuld gerne als bloßes Gefühl zu verharmlosen und
wegzutherapieren versuchen. Doch Schuld verschwindet nicht, wenn sie zum Schuldgefühl verkleinert wird. Und sie wird nicht bewältigt, indem sie als Fremdbeschuldigung auf andere projiziert und in Fluten von Selbstmitleid ertränkt wird.

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Selber Schuld!

Livesendung mit Höhrerfragen auf Radio Maria Schweiz

Was ist das „Glück”?

Tagungsleiter Raphael Bonelli, Psychiater und Psychotherapeut in Wien, bezeichnete das Anerkennen eigener Defekte als eine Voraussetzung für Glück: „Unrecht tun und Unrecht erleben ist eine menschliche Realität, die dem Glück nur scheinbar im Weg steht. Durch Verdrängen von Schuld kann ein Leben nicht glücken. Vielmehr verzerrt sich auf diese Weise die Weltsicht, man verliert Freiheit und gleitet leicht in Fremdbeschuldigung ab. Das ruiniert Beziehungen und führt letztlich zur Vereinsamung und Verbitterung”, unterstrich der Neurowissenschaftler.

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