Der erste Schritt zur Verbesserung

Man kann sich eben nicht selbst entschuldigen, wie wir salopp sagen, sondern nur darum bitten. Und das Verzeihen ist dann der nächste Schritt des Gegenübers. Es gibt übrigens empirische Studien, dass der leichter verzeihen kann, der Einsicht in seine Fehler hat. Zu einer Patientin, die sehr ausführlich über die Fehler ihres Mannes berichten konnte, habe ich einmal gesagt: „Ich bin hocherfreut, dass ich die Ehre habe, vor der unbefleckten Empfängnis zu sitzen.“ Darauf hat die Patienten schallend gelacht und der Knoten ist geplatzt. Das kann man aber wohlgemerkt nicht mit jedem Patienten machen.

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Wer betet ist krisenfester

Das heilsame Moment [des Gebets] liegt im Perspektivenwechsel. Indem ich mich im Gebet dem anderen öffne, springe ich über meinen eigenen Schatten. Ich gewinne Distanz zu mir und lerne, Dinge mit anderen Augen zu sehen – mit den Augen Gottes. Durch diesen Sprung in die Transzendenz wird die schlimmste Dramatik in ein anderes Licht gerückt. Das relativiert vieles, es kommt zu heilsamen Aha-Erlebnissen.

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Weil „Beichten” enttabuisiert

Das Buß-Sakrament ermöglicht, dass ein „Mea culpa” gesprochen werden kann, es bietet einen sicheren Rahmen mit Lösungsvorschlag. Die Beichte führt die Schuld zurück in die Normalität und erreicht somit eine Enttabuisierung.

In Wirklichkeit ist Schuldig-Werden eine zutiefst menschliche Erfahrung, wir sind sehr häufig Opfer und Täter gleichzeitig. Das Leben besteht darin, Unrecht zu erleiden und Unrecht zu tun.

Wenn die Kirche die häufige Beichte empfiehlt, befreit sie vom Perfektionismuszwang des Zeitgeistes. Sie macht den Menschen auch fähiger, selbst anderen zu verzeihen, die an ihm schuldig geworden sind.

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„Wir Allerärmsten“

Das Ideal von perfekt und fehlerlos sei neu und ziemlich krank, machte es Bonelli kurz. „Ich bin kein Richter oder Seelsorger. Ich muss als Psychotherapeut den Menschen erfassen.“ Zu Bonellis Patienten gehören auch Pädophile. „Die gehören eingesperrt, sagt man sofort. Dabei reflektieren und repräsentieren sie aus meiner Beobachtung unseren Zeitgeist am besten. Sie hatten eine schlechte Kindheit, alles sei nur ein großes Missverständnis, sie wollten doch nur lieb sein – da bleibt keine Schuld mehr übrig, verstehen Sie? Es kann sich nichts ändern, bis man sich selbst an die Brust klopft und sagt: ‚Hier hab‘ ich was falsch gemacht. Das hab‘ ich verbockt.‘“
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Verstehen – Wollen – Fühlen

Verzeihung als optimale Form des Loslassens von erlittenem Unrecht beschreibt einen Prozess, der im Wesentlichen drei Schritte bzw. Ebenen braucht: Erstens ist die Erkenntnis nötig, dass man auch selbst Fehler macht. Erst dadurch wird man bereit, auch dem Täter falsches Handeln zugestehen zu können. Zweitens muss man vergeben wollen: Man braucht eine Portion Großmut, um tatsächlich in einer gröberen Sache „Schwamm drüber!“ sagen zu können. Erst an dritter Stelle schwingt sich die Emotion auf die Vergebung ein. Also: erstens Verstehen, zweitens Wollen und drittens Fühlen. Zu allen drei Schritten gibt es heute konkrete Forschungsergebnisse.

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Selber schuld!

Livesendung aus der Reihe ‚Lebensbilder‘ auf Radio Maria