Wie werde ich glücklich?

Vortrag am Kongress katholischer Partnersuchender in Wigratzbad (D)

Beichtvater und Psychotherapeut sind in einer Person nicht vereinbar

Beim Psychotherapeuten sei die Persönlichkeit wichtig, doch dürfe seine eigene Weltanschauung keine Rolle spielen. Dagegen gehe es in der Beichte um die Wahrheit, nicht aber um die Persönlichkeit des Priesters. In der Beichte gehe es ausschließlich um bewusste und noch nicht gebeichtete Schuld, während sich die Psychotherapie für das Unbewusste interessiere. Die Rolle des Beichtvaters und die des Psychotherapeuten seinen verschieden und in einer Person nicht vereinbar. Bonelli weiter: „Die Psychotherapeuten platzen vor Selbstvertrauen, während viele Priester verstecken, was sie sind. Es gibt für Priester aber keinen Grund für Minderwertigkeitskomplexe.“ Die Psychotherapie müsse ihre Grenzen kennen, „was heute vielfach nicht der Fall ist“, denn sie könne keine Schuld vergeben, sondern nur „so tun als gebe es keine“.

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Unterschiede zwischen Beichtvater und Therapeuten

„Es gibt auch depressive Heilige und glückliche Verbrecher“, so Bonelli. Gemeinsam sei der Therapie und der Beichte, dass es sich um ritualisierte Gespräche unter subjektiven Leidensdruck, in einer asymetrischen Beziehung und mit einem klaren Auftrag handelt. Größer aber seien die Unterschiede. Der Patient leide unter Phänomenen, der Beichtende unter seinen eigenen Taten. Im Gegensatz zum Beichtvater sei der Psychotherapeut weder guter Hirte noch barmherziger Samariter, weder Vater des verlorenen Sohnes noch gerechter Richter. Die Aufgabe des Beichtvaters sei es, immer da zu sein, die des Psychotherapeuten, so schnell wie möglich nicht mehr nötig zu sein.

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Das Aussprechen der eigenen Schuld in der Beichte ist psychologisch gesehen heilsam

Der produktive Umgang mit Schuldgefühlen in der Beichte weise die Psychotherapie außerdem auf eine wichtige Leerstelle hin, insofern diese Schuldgefühle „zu lange mit Pathologien gleichgesetzt“ habe und nicht die „moralisch-ethische Dimension“ beachtet worden sei, so Bonelli. Gerade das Aussprechen der eigenen Schuld in der Beichte sei psychologisch gesehen heilsam, da man sich bewusst zu seiner Tat bekennt. Problematisch sei laut Bonelli die „Abschaffung des Sündenbegriffs“, was mit einer „anstrengenden Verdrängungsarbeit der eigenen Fehlerhaftigkeit“ einhergehe. Die Folge seien Neurosen durch einen überzogenen Anspruch auf die eigene Fehlerlosigkeit – nicht zuletzt, „weil das Heilmittel, die Beichte, im Alltagsleben praktisch abgeschafft oder persönlich aufgegeben wurde“. Dagegen müsse festgehalten werden, dass ein Mensch, der regelmäßig beichtet, „im Normalfall einen hohen Grad an Selbsterkenntnis erreicht, weil er die Fähigkeit entwickelt, seine Emotionen, Gefühle, Leidenschaften und Taten zu hinterfragen“.

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Regelmäßige Beichte führt zu hohem Grad an Selbsterkenntnis

„Ein Mensch, der regelmäßig beichtet, erreicht im Normalfall einen hohen Grad an Selbsterkenntnis, weil er die Fähigkeit entwickelt, seine Emotionen, Gefühle, Leidenschaften und Taten zu hinterfragen und mit seiner Vernunft zu beurteilen.“ Dies führe – ähnlich wie eine gelungene Psychotherapie – zu einem „gesunden Selbstbewusstsein“.

 

Insofern sei die Beichte aus psychologischer Sicht als Möglichkeit zu begreifen, „durch mutige Gewissenserforschung in die Abgründe des Halbbewussten und sogar Unbewussten herabzusteigen und schwelende innere Konflikte durch bewusstes pointiertes Aussprechen vor einem Vertreter Gottes zu neutralisieren.“ Das Aussprechen der eigenen Schuld „vor einem bevollmächtigten Dritten“ sei deshalb „aus gläubiger Sicht heilsrelevant und psychologisch gesehen heilsam“, so Bonelli.

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Sigmund Freud und die neurotische Kränkung

Mit der Empfehlung der häufigen Beichte ist psychologisch schon eines klargestellt: Dass jeder Mensch Fehler macht, ja jeder sündigt. Es ist also normal und menschlich, Sünden zu begehen, und es gibt auch ein Mittel zur Reinigung: die Absolution nach der persönlichen Umkehr.

Das allein ist schon eine befreiende Botschaft für viele Menschen, die keinen Fehler an sich selbst wahrnehmen wollen. Zur theologischen Bedeutung – der Vergebung der Schuld durch Gott – kommt die psychologische Wirkung: die Möglichkeit, das Drückende der Schuldgefühle abzuwerfen.

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Kinder sollen nicht wichtiger als der Ehepartner sein

Als eine Ursache für die narzisstischen Störungen Heranwachsender oder junger Erwachsener, die „bis zum Anschlag“ selbstverliebt seien, machte Bonelli die Verschiebung in der Familienhierarchie aus. Dazu könne es kommen, wenn man die Kinder so vergöttere, dass sie wichtiger als der Ehepartner würden. Das bringe die ganze Familie durcheinander. Aus seiner Praxis in der Paartherapie kommt er zu dem Schluss, dass die Frau den Mann mehr lieben soll als die Kinder und der Mann seine Frau mehr als die eigene Mutter lieben soll.

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Selbstbetrug

Livesendung über Grenzfragen zwischen Psychiatrie und Spiritualität auf Radio Maria