Wer sich Kränkungen immer wieder in Erinnerung ruft, blutet ewig

Weil der Verbitterte sich als Opfer sieht, sollen die anderen etwas ändern. Es fehlt das Gefühl von Versöhnlichkeit. Der Therapiewille ist nach Beobachtung der Forscher meist nicht sonderlich ausgeprägt. Ziel einer Behandlung ist daher, Einsicht zu fördern, dass schwierige Lebenssituationen angemessen bewältigt werden können, wenn sie relativiert werden. Als Technik kann ein Perspektivenwechsel helfen, bei dem der Patient sich in einem Rollenspiel die Sicht aller Beteiligten zu eigen macht. Therapieziel ist, dass der Verbitterte sich mit sich versöhnt, nicht in der Vergangenheit der Demütigung stecken bleibt, um die Rolle des Opfers abzulegen. Wer sich Kränkungen immer wieder in Erinnerung rufe, blute ewig, sagt der österreichische Psychiater Raphael Bonelli, der darauf hinweist, dass es vergleichsweise wenig Forschung zur Verbitterung gebe, obwohl die Erkrankung schwerwiegend sei wie eine Depression. Wenn man Verbitterten widerspiegeln könnte, dass Versöhnung eine eigene Entscheidung sei, wäre viel geholfen.

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Kognitiver Geschlechterunterschied nicht ausschließlich Phänomen der Sozialisierung

Raphael M. Bonelli, einer der beiden betreuenden Professoren des Projekts, sieht das Ergebnis als ein klaren Hinweis dafür, dass der kognitive Geschlechterunterschied nicht ausschließlich Phänomen der Sozialisierung sei. Eine neurobiologische Erklärung dafür biete der Testosteronspiegel, der schon im Embryonalstadium geschlechtsspezifisch ist. „Dieser Botenstoff bestimmt unter anderem die Ausprägung der Gehirnstruktur mit. Bei Störungen dieses Hormonhaushaltes sind auch kognitive Eigenschaften oft verändert“, so Bonelli. Selbst bei männlichen und weiblichen Tierbabys könne man Unterschiede im Spielverhalten feststellen.

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Vergebung ist eine sehr effektive Form seine Traumata zu überwinden

Sonntagsblatt: Verletzung – Verbitterung – Vergebung: Warum ist das Thema aktuell?

Bonelli: Grund ist die erhöhte Verletzbarkeit und Kränkbarkeit des heutigen Menschen. Aus dem ständigen Kreisen um das ihm widerfahrene Schicksal kann sich eine manifeste psychische Krankheit entwickeln. Alles Unglück wird auf ein Unrecht in der Vergangenheit zurückgeführt, das nicht mehr änderbar ist, das aktiv in Erinnerung gehalten wird und in dessen Wunden ständig gewühlt wird.

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