Psychologen entdecken zunehmend die Bedeutung christlicher Tugenden

Laut Bonelli vertreten manche Psychologen heute die Auffassung, dass die Psychotherapie jahrelang in die falsche Richtung gelaufen sei. Sie hätten das Ich vergötzt und zum neuen Goldenen Kalb gemacht. Inzwischen beschäftigten Forscher sich stärker mit Tugenden wie Weisheit, Mut, Liebe, Gerechtigkeit, Mäßigung und Spiritualität. Dazu zählten auch der Sinn für Schönheit, Dankbarkeit, Hoffnung, Vergebungsbereitschaft und Humor. Zur Mäßigung gehöre die Demut, sich wahrheitsgemäß einzuschätzen sowie die Einsicht, dass man Gott mehr lieben solle als sich selbst.

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Instrumentalisierung von Religion tut der Psyche nicht gut

Während Sigmund Freud die Religion als eine Neurose, also als eine Krankheit des „Seelenapparates“ deutete, erklärt Bonelli den religiösen Fanatismus und letztlich auch den religiös verbrämten Terrorismus als Neurosen, die sich der Religion für ichhafte Zwecke bedienten. Jede Verzweckung und Instrumentalisierung von Religion könne aber gerade der Psyche nicht guttun. Ohne die Voraussetzungen der Sachlichkeit, der Hingabe und der Ordnung in den Emotionen gebe es überhaupt keine guten Wirkungen von Religion auf die Psyche.

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Das therapeutische Potential der Religiosität wieder entdecken

Sind Religionen Auslöser von Neurosen? Laut Bonelli gibt es zweifellos neurotische Erscheinungen von Religiosität. Dazu gehören etwa Fanatismus, Fundamentalismus, Politisierung des Religiösen bis hin zum Terrorismus, ebenso religiöse Manipulation und Sektenbildungen. Doch wie Helmut Hark betont, entstehen solche Vorkommnisse durch Fehlformen der Frömmigkeit. „Damit wird nicht gesagt, dass die Kirche und die Religion krank machen“.

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„Andererseits hat die Religion unbestritten in allen Weltregionen große Kulturleistungen vollbracht“, so Bonelli. Es gelte das therapeutische Potential der Religiosität wieder zu entdecken. Raphael Bonelli nannte dabei das „Eingebettetsein in einen höheren Sinn“, die Selbsttranszendenz, Gemeinschaftssinn, Verantwortung, Hoffnung und den Umgang mit Schuld.

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Psychotherapie soll Bedeutung der Religion wiederentdecken

Der Wiener Psychiater und Psychotherapeut Raphael Bonelli sprach sich in seinem Vortrag „Tut Religion der Psyche gut?“ für eine Wiederentdeckung der Bedeutung der Religion und der menschlichen Religiosität in Psychotherapie und Psychoanalyse aus. Insbesondere in der Psychoanalyse sei noch immer die negativ-ablehnende Haltung Sigmund Freuds bestimmend, bedauerte Bonelli. Freud habe Religion als „kollektive Zwangsneurose“ und als „Ausdruck des regressiven Wunsches nach dem Schutz eines übermächtigen Vaters“ beschrieben. Eine Wiederentdeckung der Bedeutung der Religion in der Psychotherapie dürfe jedoch nicht in eine Vermengung von Therapie und Seelsorge führen, warnte Bonelli.

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