Narzissmus: Der Mann, der nur sich selbst liebt

Interview auf der Webseite www.wissenschaft.de

Selbstverliebte Politiker: Ist Trump ein Narzisst?

Donald Trump sagt: „Ich bin der einzige, der unsere Probleme lösen kann.“ Muss man Narzisst sein, um so etwas zu sagen?

Man muss natürlich berücksichtigen, dass viele Wähler in den USA gern vollmundige Äußerungen hören. Donald Trump hat mit seiner unverschämten Selbstverliebtheit Erfolg – sonst wäre er ja nicht Präsidentschaftskandidat der Republikaner geworden. Muhammad Ali hat sich in den USA als „der Größte“ bezeichnet und die Leute haben ihn dafür geliebt. Ob das bei Trump eine Masche ist oder ob es tief in ihm steckt, kann man von außen nicht sagen. Er riskiert jedenfalls sehr viel, wenn er sich so präsentiert. Denn narzisstische Symptome ziehen viele Leute an, aber sie stoßen auch viele ab. Narzissmus polarisiert. Ein Narzisst hat starke Fans und starke Gegner.

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Das große Ich bin Ich

Ein berühmtes Kinderbuch heißt „Das kleine Ich bin Ich“. Könnte man sagen, der Narzisst
ist das große Ich bin Ich?

Der Narzisst kreist um sich selbst und liebt sich selbst mit einer exklusiven Liebe, mit der man eigentlich nur einen anderen Menschen lieben kann. Sigmund Freud sagt, der Narzisst nimmt seine Libido vom Du, vom anderen weg und richtet sie nur auf sich selbst.

Das spürt man, sobald ein solcher Mensch bei der Tür hereinkommt. Ich merke binnen weniger Minuten,wie selbstverliebt manche Männer sich darstellen und wie begeistert sie von allem sind, was sie an Weisheiten in den Raumstellen.

Diese Begeisterung kann im günstigen Fall ansteckend sein. Deshalb haben Narzissten manchmal ein großes Charisma, dem viele nachlaufen. Das würde ich bei Cristiano Ronaldo durchaus so sehen.

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Gelassenheit: Erkennen, was mir guttut

Was tut unserer Psyche denn überhaupt nicht gut?

Zu viel Streben nach Perfektion. Das steckt in uns allen und ist zunächst völlig normal. Wir haben Ideale, Ziele. Wollen uns weiterentwickeln. Doch wenn allmählich die Angst im Vordergrund steht, Fehler zu machen, dann wird’s ungesund. Ein Perfektionist definiert sich zu sehr durch die eigene Leistung. Er will tadellos sein, weil er Angst vor dem Tadel hat. Er kann nicht glauben, dass er – so wie er ist – genügt. Ich sage immer zu meinen Patienten: „Sie sind ja kein Kunstwerk. Das braucht Wertschätzung, sonst ist es nichts wert. Ein Mensch ist immer etwas wert. Immer.“

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Tischgespräch mit Psychotherapeut Raphael M. Bonelli

Beitrag in der Sendung Tischgespräche des Westdeutschen Rundfunks

Du bist schuld!

Linzer Kirchenzeitung: Warum fällt es Menschen generell so schwer zu sagen: „Ich bin schuld“ bzw. „Ich habe Schuld“?

Raphael M. Bonelli: Das Schuldgefühl ist an und für sich unangenehm. Wir hätten es lieber nicht und wollen es nach Möglichkeit wegschieben. Ähnlich wie der Schmerz hat es aber eine gute Funktion. Tut das Knie weh, lassen wir es behandeln und der Schmerz ist weg. Haben wir ein Schuldgefühl, sollten wir uns ebenso damit beschäftigen. Vielleicht gibt es einen Schaden, den man wieder gutmachen kann. Oder man bittet eine Person um Entschuldigung. Oft wäre die Sache damit erledigt und die Last wäre weg.

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Wiener Psychiater Bonelli rät Synode zu ‚klaren Idealen‘

Kathpress: Was raten Sie als Psychiater der Familiensynode?

Raphael M. Bonelli: Die Religion hat die Aufgabe, der Gesellschaft einen Kontrapunkt zu setzen, sonst schafft sie sich selbst ab. Sie darf nicht passiv mit dem Strom schwimmen – das tun nur die toten Fische. Sie hat eine Botschaft für die Menschen. Die menschliche Psyche braucht Orientierungspunkte, denn nur hohe – bis jetzt noch nicht erreichte – Ideale ermöglichen persönliche menschliche Entwicklung. Es ist ganz normal, dass sich die Menschen mitunter daran reiben.

Deswegen sollte die Religion ein Ideal vorstellen, nach dem man sich ausrichten kann. Auch wenn das unbequem und unpopulär ist. Davor sollten die Synodenväter keine Angst haben, auch nicht vor medialer Schelte. Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Sie blockiert und verunmöglicht die Identitätsfindung.

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Kontemplation und Perfektionismus

Interview mit Radio Vatikan.

Ein Psychiater kann Bosheit nicht messen

Die Tagespost: Was könnte im Kopf dieses Kopiloten vor sich gegangen sein, der in den selbst gewählten Tod 149 Menschen mitriss?

Raphael M. Bonelli: Man kann in einen anderen nie ganz hineinschauen. Erkennbar ist die Suizidabsicht eines Menschen, der sein Leben nicht alleine beenden will: Andere Menschen sollen mit ihm zu Tode kommen, und es soll möglichst spektakulär sein. Dieser Mensch hat es geschafft, mit seinem Abgang aus dem Leben einen unheimlichen Lärm zu machen. Das weist auf eine narzisstische Persönlichkeit hin, auf brüchigen Selbstwert, starke Verletzbarkeit, Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen. Diese Dimension der Rücksichtslosigkeit, die man auch Bosheit nennen kann, sehen wir bei pathologischen Narzissten.

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